Die “no user“ UX

Gestern bin ich wieder über einen schon etwas älteren Artikel von Hoa Loranger (Vice President Nielsen Norman Group) gestolpert, der im Jahr 2014 erschien und den Titel “UI-U=X“ trug. Sie ging dabei auf die Notwendigkeit ein, den Benutzer im Forschungs- und Entwicklungsprozess eines Produkts einzubeziehen.

UX – U= X

User Experience – User = X -> Don’t do that!

Die These:

Wie UX heutzutage in der Praxis angewendet wird, muss kontrovers diskutiert werden. Wenn es um UX und UX-Design geht, hat eigentlich fast jeder UX-Designer das Problem, dass er oder sie keinen direkten Zugriff auf die Benutzer hat, um einerseits die Anforderungen identifizieren zu können und anderseits wirklich zu wissen, was die Benutzer wollen.

Um einen Beweis für diese These zu haben, griff ich das Thema beim UX Linz Meetup im Mai auf.

Ich hielt einen Vortrag über die Rolle des Benutzers im Entwicklungsprozess und wie das oben genannte Problem in Angriff genommen werden kann. Während des Vortrags fragte ich in die Runde, es waren 31 Teilnehmer anwesend (davon hauptsächlich UX-Designer und Interaktionsdesigner), ob sie jemals mit dem Endnutzer in Kontakt getreten sind.

Das Ergebnis:

  • 30 UXer konnten mit dem Endnutzer nie in direkten Kontakt treten, weder vor, noch während des Design Prozesses
  • 1 UXer kam in Kontakt mit den Endnutzern

Nach weiteren Fragen stellte sich schlussendlich jedoch heraus, dass dieser eine UXer in der Forschung arbeitet, lehrt und Forschungsprojekte begleitet. Das bedeutet einen “zero-user approach“ bei UX Design Projekten.

Also wie kann man den Benutzer dann berücksichtigen?

Das Problem ist, dass Designer, wie jeder andere Beruf, ein eigenes mentales Modell haben. Beim Entwerfen eines Produkts gehen Designer grundsätzlich davon aus, dass ihre Lösung dem Problem der Benutzer entspricht (wie sie es sich vorstellen). Dies nennt man den sogenannten HALO-Effekt, einen kognitiven Bias, der auf subjektiven Eindrücken basiert. Weil dieses eine Ding in diesem Anwendungsfall funktioniert hat, nimmt unser Gehirn an, dass der Rest der Dinge auch funktionieren wird.

„Google hat eine Suchmaschine mit nur einem Textfeld implementiert. Wenn ich es auch so mache, wird es eine gute Benutzererfahrung haben …“

In meinem Vortrag habe ich einen schrittweisen Ansatz für die UX-Reife entwickelt, der auf vorhandenen Reife-Frameworks basiert. Von User Centered Design-Ansätzen über User Advocacy bis zur Einbeziehung von User Research-Ansätzen in einem digitalen Projekt wurde den Meetup Teilnehmern näher gebracht.


Das Thema interessiert Sie? Der gehaltene Vortrag steht zum Download bereit!

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